27.06.2011

Einig im Geiste

Europa- oder EU-Kritik ist in Mode gekommen. Überall melden sich die Euro-"Skeptiker" jeglicher politischer Couleur zu Wort, die die EU in Krisenzeiten für quasi jedes Übel der Welt verantwortlich machen.

Und auch in Luxemburg versammeln sich die "Kritiker" von links und rechts unter dem gemeinsamen Banner des antieuropäischen Populismus und offenbaren dabei eine unerwartete Einigkeit im Geiste...

Die einen sehen sich bereits:
"Vor der Scheidung"

Die anderen fühlen sich dagegen gleich:
"Von hinten vergewaltigt!"

Bei den einen hört sich die in Mode gekommene, pauschal-populistische EU-"Kritik" so an:
"In Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und sowieso in Großbritannien und Polen, um nur die bevölkerungsmäßig größten Mitglieder zu nennen, wächst die EU-Feindseligkeit in atemberaubendem Tempo. Der mühsam errichtete Bau wankt, weil sein Fundament nur die Geldwirtschaft der Reichen ist, und nicht das allem überzuordnende gesellschaftspolitische Ziel der Wohlfahrt, also des verwirklichten Gemeinwohls."
Bei den anderen liest sich die derart "glasklar" legitimierte "EU-Feindseligkeit" so:
"Und so langsam wird das Volk sauer. Auch in Luxemburg. Parolen wie 'Hier bekommt man immer weniger Hilfe, aber die Griechen kriegen alles' häufen sich, auch wenn sie an Populismus nicht zu übertreffen sind.
Doch, doch; das lässt sich ganz locker noch übertreffen:
"Fakt ist: es geht uns Luxemburgern und unserem Ländchen immer schlechter und Schuld daran hat einzig und allein das Vereinte Europa."
Auch bei der Ursachenforschung der "einzig und allein" Verantwortlichen scheint man sich einig zu sein:
"Ist es denn nicht so, dass Athen Geld zuhauf leihen konnte, weil dieselben Finanzberater, die heute Athens Kreditfähigkeit bezweifeln, damals, vor ein paar Jahren, die Platzierung eben dort förderten?"
"Bei ihrem Europabeitritt und vor allem bei den Aufnahmekriterien zum Euro haben die Griechen ganz einfach ihre Bilanzen gefälscht, uns falsche, gefälschte Ziffern präsentiert, uns betrogen. Die Kontrollinstanzen der EU, jene hoch bezahlten europäischen Technokraten, waren entweder zu doof, um das Gaunerspiel zu entdecken oder wollten dies ganz einfach nicht."
Das Fazit?
"Ist nicht, nach all dem Betrug, die Scheidung überfällig? Von diesem, dem liberalen und konservativen Europa? Wollen wir nicht ein besseres?
"Die ganze europäische Konstruktion ist ein gigantischer Fehler, begangen auch und vor allem von Luxemburger Spitzenpolitikern."
"Tageblatt" und "Privat" kämpfen fortan also vereint gegen all die ganzen kriminellen "Gauner", "Heuchler" und Spekulanten in "BRÜSSEL":
"Muss der EU-Europäer, gleich wo er lebt, nicht davon ausgehen, dass 'Brüssel' ihn finanziell haftbar machen kann und wird für die Fehler seiner Regierung und seiner Eliten?(...)
Wieso dürfen sie wieder so laut reden, die einen als Präsidenten, Regierungschefs und Minister, die andern als Banker, Consultants, Experts?"
Die einen haben es halt eher mit dem "laut reden", andere versuchen sich Woche für Woche in der journalistischen Königsdisziplin des "laut schreiben"...

Und welche überlegten, tiefgründigen, ja geradezu weisen Leserkommentare man hervorruft, wenn man so überaus verantwortungsvoll über die EU schreibt wie der Autor der letzten Zeilen, lässt sich auch unmittelbar bewundern (genau so, "unzensiert" nachzulesen auf "tageblatt.lu"):
"D' WELT GEET AN DEN ARSCH 
D' EU as verdammt, soulaang weiderhin Paiffekäpp mat Spatzenhirner eis an d' EU regeieren..."
"D’Welt geet an den Arsch!" – Einfach toll, wenn man bedenkt, was Journalismus manchmal bewirken kann. Leitartikler wie diese scheinen ihre Leser wirklich zum nachdenken zu bringen...

"D’Welt geet an den Arsch!" – Wenn man Substanz und Stil betrachtet, so ist dies das Bindeglied zwischen unserer proletarischen Tagespresse und dem breiten, in Luxemburg von "Privat" exklusiv bearbeiteten Boulevard.

"D’Welt geet an den Arsch!" – Was jedoch für das "Tageblatt" selbst noch eine Spur zu primitiv ist, und man deshalb nur als Leserkommentar bringt, wäre für "Privat" eine stinknormale Überschrift.


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