Den aktuellen Stand der "Debatte" erklärt Alvin S. aus E. in seinem neuesten meinungsjournalistischen Meisterwerk:
"Da ist Übles"
"In einem bemerkenswerten Tageblatt-Gespräch (18. Mai, Seite 14) sagte LSAP-Fraktionschef Lucien Lux, es könnte, wegen der öffentlich ausgetragenen Polemik um den Kurs der Partei, 'der Eindruck entstehen, dass die Sozialisten der Ursprung allen Übels wären'. Aus dieser Formulierung ergeben sich drei Rückschlüsse:
1. Es gibt Übles, und die Sozialisten sind sich dessen bewusst.
2. Die Sozialisten können das Üble nicht beseitigen, obwohl genau das aus Wählersicht ihr Auftrag ist.
3. Deshalb verweisen die Sozialisten defensiv auf die Sachzwänge, die aus den von der manipulierten Mehrheit gewollten Verhältnissen in Europa und in Luxemburg entstünden: Mehr ginge eben nicht."Man liest ganz recht: Der "Auftrag" der Sozialisten ist nicht weniger als die "Beseitigung des Üblen"...
"Anders gesagt: Wir kennen das Untier, aber es ist so gierig geworden, dass es uns fressen würde, wenn wir es nicht fütterten... Also füttern wir es, das üble Untier (...)"Wer dachte, dass ein "Untier" an sich schon übel sei, der hat noch nicht das "üble Untier" kennengelernt...
"Wegen der Angst vor der gesunden Ur-Radikalität, oder wegen der falschen Bescheidenheit, die vorübergehend geschwächte linke Parteien gegenüber vorübergehend gestärkten rechten Parteien zeigen""Vorübergehend geschwächt" heißt in Luxemburg: seit knapp 90 Jahren.
Die Schwäche der Luxemburger Linken soll aber ungefähr so vorübergehend sein wie das eigentliche "Übel" unserer Welt:
"Er, dieser triumphierende Kapitalismus, befriedigt seine Träger, die wirklich Reichen, ein paar Prozent der Bevölkerung, generös, auf Kosten und zu Lasten der kleinen, mittleren und sogar schönen Einkommen."Mal was ganz Neues...
"Dass Gewerkschaften, insbesondere der im Luxemburger Privatsektor federführende OGBL, welcher einer sozial fortschrittlichen LSAP viel bringen könnte, sich nicht abfinden wollen mit dem wuchernden Defaitismus vor dem entfesselten, unkontrollierten Kapitalismus, liegt in deren Natur."Gewerkschaftlich empfundene "Wahrheiten" kann man wirklich nicht oft genug aussprechen. Insbesondere in einem Leitartikel einer Gewerkschaftszeitung. Wenn es sein muss immer wieder, Woche für Woche...
"Eine gute Gewerkschaft fordert im Sinne des kontinuierlichen sozialen und gesellschaftlichen Fortschritts. Sie verlangt 10, schließt vielleicht ab bei 5, verlangt wieder 10, bekommt wieder 5, und ist, aufgrund der Stärke, welche sich aus ihrer stehenden Truppe ergibt (es sind der Mitglieder sehr viele, und sie kommen, wenn gerufen), am Ende dort, wenn auch mit Verzug, wo sie hin wollte."Die "stehende Truppe" der Gewerkschaften (warum eigentlich nicht gleich "stehendes Heer"?) muss also nur "gerufen" (wie wär‘s denn mit "eingezogen" und "befehligt"?) werden.
Doch die Kriegsrhetorik hat leider, leider ihre Grenzen in unserer des sozialen Kampfes müden Gesellschaft:
"Die Parteien haben keine stehenden Truppen."Was bleibt also noch zu tun in diesem andauernden Krieg der "guten Gewerkschaften" gegen das "Üble" in der Welt?
"...sich hinter die einzigen verbliebenen, potenziellen Verbündeten zu stellen, die Truppen ins Feld schicken könnten. Und würden, wegen der Sache Fortschritt."Der Sinn des letzten Satzes bleibt wegen Tipp- oder Flüchtigkeitsfehlern leider im Verborgenen. Würden sie "ins Feld" geschickt "wegen der Sache des Fortschritts" oder "wegen der Sache: Fortschritt."
Aber egal, lasst uns einfach weiter "diskutieren" und den ohnehin unaufhaltsamen Truppenaufmarsch der Gewerkschaften zur Beseitigung allen "Übels" dieser Welt auf nächste Woche verschieben:
"Darüber, über neue Wege zum Fortschritt, dem sozialpolitischen wie dem gesellschaftspolitischen, ist sinnvoller zu diskutieren unter Linken als über die Begleitung des Abbaus."
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